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Susanne Zagorni – Gefühle ohne Maske

 

Als ich das erste Bild von Susanne Zagorni gesehen habe, musste ich sofort an Frida Kahlo denken. Nicht wegen der Technik oder der Farben – es war eher das auf die Leinwand gebrachte Drama, das mich erinnerte. Der klare Ausdruck dessen, wofür man manchmal keine Worte findet. Die Kunst zu zeigen, dass jede Emotion auch immer nur eine Momentaufnahme ist, dass wir Menschen uns selbst in der Starre oder der Angst stets wandeln, häuten, weiterentwickeln.

 

„Ich ‚bemale’ meine Alltagserfahrungen und Lebensthemen, weil durch die Dinge, die mir passieren, in meinem Kopf Bildfragmente entstehen, die dann ganz einfach raus müssen, um Luft für Neues zu schaffen.“ sagt Susanne Zagorni. Sie nutzt die Malerei als Kommunikationsmittel, als Spiegel der eigenen Metamorphose. Damit wird jedes Bild zu einer Geschichte, in der sich die Betrachter selbst entdecken können.

 

Susanne Zagorni ist eine, die ihr Handwerk beherrscht. Sie ist nicht schrill, nicht pompös, wirkt als Frau bodenständig. Und doch liegt in ihren Bildern eine unglaubliche Theatralik. Manche wirken wie das Ende einer furiosen Vorstellung, wie der Moment, in dem alle Protagonisten noch einmal die Bühne betreten und sich unter tosendem Applaus im Glanz der Scheinwerfer zeigen. Der Moment, in dem Licht und Schatten, Gut und Böse als Gesamtbild erscheinen. Täter und Opfer nebeneinander stehen. Und dabei wissend, dass es nur Nuancen sind, die das eine vom anderen trennen.

 

Man spürt förmlich den Drang, der Susanne Zagorni treibt, den existentiellen Fragen Gestalt zu geben, Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sich ihnen zu stellen. Ihre Bilder haben Tempo. Sie stehen nicht still. Anders als Kahlo lässt sie dem Betrachter dabei ausreichend Raum, sich selbst zu spiegeln, sich zu identifizieren oder in einen Dialog zu treten. Obwohl ihre eigenen Gefühle Ausgangspunkt sind, führt sie geschickt von sich weg. Trotz vieler Selbstportraits verlässt die Künstlerin die Ebene der Selbstdarstellung in dem Augenblick, da sich die Gegenständlichkeit ihrer Malerei entweder im Abstakten oder im Surrealen auflöst.

 

Doch auch das ist noch nicht der Schluss, denn am Ende führen die Bilder doch wieder zur Künstlerin zurück. Zu der Frage, wer diese Frau ist, die die Masken abnimmt und so ein reiches, buntes und tiefgründiges Innenleben zeigt. „Ich muss tatsächlich zugeben, dass ich mich über meine Malerei definiere. Ohne sie wüsste ich wohl nicht genau, wer ich bin oder wäre dann wohl irgendwie unvollständig.“ erzählt Susanne Zagorni über sich.

 

Und damit sind wir doch noch einmal bei Frida Kahlo, die irgendwann sagte: „Man hielt mich für eine Surrealistin. Das ist nicht richtig. Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit.“

 

Sich selbst, seinen Schatten, seinem Licht und seinen Ambivalenzen zu begegnen, erfordert Mut. Den beweist Susanne Zagorni mit ihren Bildern und eröffnet uns damit nicht nur den Raum, ihr auf diesem Weg zu folgen, sondern schenkt uns die Kraft, selbst in die Tiefe zu gehen und dieses große und bunte Ensemble an Gefühlen freudig zu begrüßen.

 

(Text von Jeannette Hagen, Journalistin, Berlin., Juni 2016)

 

 

 

Hoffnungsfresser und Frösche gehören zum Personal der eigenartigen Bildwelt der Gelsenkirchener Malerin Susanne Zagorni, deren Arbeiten wie existenzielle Bühnen funktionieren, die auf handwerklich herausragende Weise Bilderrätsel aufgeben, von denen wir ahnen, dass sie auch mit unserem eigenen Inneren zu tun haben und die gleichzeitig einen Zeitgeist transportieren, den wir auf gewohnt transmediale Weise zu vergegenwärtigen versuchen."

Zitat Georg Mallitz (Kunsthistoriker)

 

 

 

Von Hoffnungsfressern und Fröschen

 

Existenzielle Themen wie Selbstfindung, Erkenntnis, Kreativität, Hoffnung, Hoffnungsverlust und Selbstbehauptung sind u. a. Inhalt der Bilder von Susanne Zagorni. Persönlich Erlebtes gibt hier den Ausschlag zur Umsetzung ihrer Bilder, die bevölkert sind von Hoffnungsaufessern, Tyrannen oder Ideenbehüterinnen. Hierbei ist es ihr Ziel, die Arbeiten in ihrer Umsetzung auf eine allgemeingültige Ebene zu transportieren, um unabhängig von allem Selbstreferenziellen in einen Dialog mit dem Betrachter treten zu können.

 

Hier nimmt der Frosch eine ganz besondere Rolle ein. Da er in der Symbolik u. a. auch für das Wandelbare steht, ist er in den Bildern von Susanne Zagorni nicht nur Teil, sondern auch Anführer einer Armee, die die Protagonisten ihrer Bilder zu schützen sucht. Wandelbarkeit als Schutz, Waffe aber auch als kathartisches Element, um nach dem Durchleben aller emotionalen Prozesse als ein Wesen höherer Ordnung daraus hervorzugehen.

 

Wir begegnen in ihren Bildern gefallenen Kriegerinnen oder Marionetten, deren leidvolle gelbe Gesichter sich, wie als Verlierer markiert, vom Betrachter abzuwenden scheinen. Wir treffen Späher, mit Zuckerstange und Fernglas bewaffnet inmitten von Spielzeug aus einer Kiste steigend. Ausschau haltend nach allem, was Kreativität vernichtet, mit der Aufgabe, das innere Kind bestmöglich zu schützen.

 

"Für meine Arbeiten nutze ich die Symbolik, erschaffe aber auch davon völlig unabhängige Charaktere, die sicherlich einen gewissen Zeitgeist widerspiegeln. Wir alle sind schon einmal dem Hoffnungsaufesser begegnet. Mir scheint es, als sei Wandelbarkeit gegenwärtig eine Notwendigkeit, die uns leider nicht immer zum Vort"eil gereicht. Wir müssen uns davor in Acht nehmen, dabei nicht zu einem Chamäleon zu werden, das sich letztlich nur noch anpasst."

Zitat Susanne Zagorni